Folgendes war passiert worden:
Früh übt sich, geht ein altes Sprichwort, und der Lauf meines Lebens wurde nicht gerade wenig durch die folgende Begebenheit im Gewissenssinne vorbestimmt. Es begab sich, daß ich bereits im zarten Alter von 4 3/4 Jahren aus einem Drogeriemarkte eine wunderschöne goldig gelbe Plastikente entwendete, die ich so sehr begehrte da sie mir noch in meiner Sammlung fehlte.
Natürlich wurde ich auf frischer Tat ertappt, und sogleich von dem Verkäufer zur Rede gestellt. Da ich schon damals nicht gerade auf den Mund gefallen war, sondern schief, rümpfte ich mißbilligend meine demzufolge krummsäblige Nase, und gab vor, mir sei zu Ohr gekommen, daß jedes andere Kind, sogar der Ernie aus der Sesamstraße, regelmäßig beim Einkaufen von lieben Onkels jede Menge Quietsche-Entchen nur so hinterhergeschmissen bekäme.
Ich erzählte dem guten Mann, daß mir partout nicht in den Sinn kommen könne, warum gerade ich von dieser Gunst ausgeschlossen sein sollte, wo doch meine Sammlung schon fast komplett sei. Ich führte weiter aus, daß ich den Diebstahl als letzte Möglichkeit gesehen hätte, mich auf denselben Stand zu bringen, und er könne sich ja leicht vorstellen, dass es mir gewiss nicht leicht gefallen sei, auf diese beschämende Methode zurückgreifen zu müssen, nur um zu meinem eigentlich ja genau genommen guten Recht zu kommen.
Da ich nun also dreist vorgab, mich im Recht zu sehen, ließ sich der Inhaber der Quacksalberei tatsächlich auf ein Gespräch mit mir ein. Ich muß hierzu bemerken, daß mich diese Reaktion schon etwas wunderte, zumal ich damals erst langsam begriff, welche Wirkung solch sinnlose Ausführungen auf meine Mitmenschen ausüben konnten. Wenn ich nur all meine Phantasie zur Hilfe nähme so konnte ich mit diesem Wissen der Macht des Unsinnes fortan noch so manch brenzlige Situation wieder ins rechte Lot bringen.
Tatsächlich schien mein Plädoyer den armen Mann so zu Tränen zu rühren, daß er sich obendrein doch glatt sogar noch bei mir entschuldigen wollte! Er habe ja nicht ahnen können, dass mir gerade diese eine Ente noch in meiner Sammlung fehle, und er könne selbstverständlich verstehen, daß sie mir darum so sehr am Herzen liegen müsse.
Noch tausendmal wollte er sich bei mir entschuldigen, und versicherte mir wieder und wieder, dass so etwas bestimmt nicht mehr vorkomme - Ist es auch nicht, denn 1 Jahr später kaufte ich das Grundstück, enteignete den geizigen Entenmann und gründete auf diesem Grund und Boden meine eigene ABC-Schützen-Festhalle, in die ich von nun an alle meine Schulfreunde desöfteren einladen konnte, um mit ihnen wilde Schaumparties mit unseren Quietsche-Entchen zu veranstalten.
Samstag, 12. Januar 2008
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